Zukunftsfähige Orte mitgestalten. Weiterbildung zur kommunalen Prozessbegleiter*in
Mit der „Zukunftswerkstatt Lausitz“ wurde ein Projekt implementiert, in dessen Rahmen zukunftsfähige Konzepte für die länderübergreifende Regionalentwicklung und die zukunftsfähige Gestaltung des Strukturwandels in der Lausitz entwickelt und erprobt werden sollen. Eines dieser Konzepte zielte auf die Qualifizierung und Aktivierung der endogenen Potenziale auf kommunaler Ebene ab. So sollen durch die „Entwicklung, Erprobung und Verstetigung von Zukunftswerkstatt-Formaten [kommunale Akteur*innen] für eine aktive Gestaltung des Strukturwandels im ländlichen Raum der Lausitz“ qualifiziert werden.
Die SPREEAKADEMIE wurde von der Wirtschaftsregion Lausitz beauftragt, hierzu eine passende Weiterbildung zu konzipieren und in zwei Kursdurchläufen zu erproben. Im ersten Schritt wurde entsprechend Kurskonzept erarbeitet, dass die Grundlage für das Durchführen dieser Weiterbildung, die auf die Qualifizierung und Professionalisierung sog. „kommunaler Prozessbegleiter“ abzielt, bildet. In Anlehnung an die UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDG) sollten diese Personen dazu befähigt werden, insbesondere zu einer nachhaltigen Kommunalentwicklung (vgl. SDG 11) beizutragen. In diesem Sinne sollen sie darin unterstützt werden, lokale Entwicklungsprozesse begleiten, moderieren und lenken zu können.
Die wesentliche Herausforderung für das Erarbeiten des Kurskonzeptes lagen in den Unwägbarkeiten dessen praktischer Umsetzung über die Projektdauer der „Zukunftswerkstatt Lausitz“ hinaus. Denn die erfolgreiche Übertragung von Bildungskonzepten in die Praxis hängt von zahlreichen Einzelfaktoren, wie den beteiligten Akteur*innen aber auch den örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten ab. Im Idealfall können Qualifzierungsangebote, wie dieses, in festen Strukturen verankert werden. Denn erst durch die Kontinuität der handelnden (Bildungs-) Akteur*innen kann eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung aber auch eine Messung der Wirksamkeit gewährleisten werden.
Um so eine Verstetigung perspektivisch realisieren zu können, wurden beim Erarbeiten des Kurskonzeptes die Strukturen der Volkshochschulen in Sachsen und Brandenburg berücksichtigt. Zudem wurde die Kreisvolkshochschule Bautzen (KVHS) als Initiatorin dieser Weiterbildung direkt involviert und hinsichtlich des Kursaufbaus als beratende Institution hinzugezogen. Im Ergebnis wurde ein Kurskonzept erarbeitet, das aus insgesamt fünf Qualifizierungsmodulen besteht. Die Module bauen inhaltlich und methodisch aufeinander auf und orientieren sich an dem Ansatz des projektbasierten Arbeitens und den Qualitätskriterien der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) des Landes Brandenburg. Das bedeutet, dass die Weiterbildung vor allem auf die Förderung von Kompetenzen abzielt, die für das erfolgreiche Begleiten von Projekten im Sinne einer zukunftsfähigen Kommunalentwicklung relevant sind.
In Kooperation mit der KVHS Bautzen sowie Expert*innen aus den Bereichen der beruflichen Bildung und der Regionalentwicklung wurden von der SPREEAKADEMIE entsprechend folgende Lernformate entwickelt:
Weiterbildung zur kommunalen Prozessbegleiter*in
Die Weiterbildung war das zentrale Lernformat des Projekts und bestand aus folgenden Einzelmodulen:
- Modul 1: Von der Idee zum Projekt. Grundlagen der Prozessbegleitung
- Modul 2: Miteinander reden und arbeiten. Kommunikations- und Kooperationsmethoden in der Prozessbegleitung
- Modul 3: Kreative Lösungen finden. Aktivierung kreativer Potenziale in der Prozessbegleitung
- Modul 4: Ressourcen schaffen. Möglichkeiten zur Unterstützung bei der Projektfinanzierung
- Modul 5: Präsentation und Beratung. Reflektion der Prozessbegleitung und kollegiale Beratung
Diese fünf Module wurden in zwei Pilotkursen jeweils einmal in der Ober- und einmal in der Niederlausitz erprobt. Ein Kurs wurde in Kooperation mit der KVHS Bautzen in Kamenz durchgeführt und der andere Kurs in der Kaiserlichen Postagentur in Raddusch/Spreewald.
Individuelle Vor-Ort-Beratungen der Teilnehmer*innen
In Ergänzung der zuvor genannten Weiterbildung erhielten die Kursteilnehmer*innen die Möglichkeit, sich entsprechend ihren persönlichen Bildungsbedarfen individuell beraten zu lassen. Damit sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, das zuvor erlernte Wissen besser in ihren konkreten Praxisalltag integrieren und spezifisches Wissen bzw. Einzelkompetenzen gezielt vertiefen zu können. Für die Beratungen konnten die Teilnehmer*innen auf den in der Weiterbildung eingesetzten Referent*innenpool zurückgreifen, sich aber auch themenspezifisch durch andere Expert*innen unterstützen lassen.
Lernreisen
Ein wichtiges Ziel des Projektes war es, die Vernetzung zwischen den Kursteilnehmer*innen aus der Ober- und Niederlausitz zu unterstützen und ihnen praktische Ansätze der kommunalen Prozessbegleitung nahezubringen. Daher wurden im Rahmen des Projekts zwei Lernreisen konzipiert und umgesetzt. Die erste Lernreise führte nach Hoyerswerda und Weißwasser. Hier wurde unter anderem die Arbeit der Kulturfabrik Hoyerswerda vorgestellt und ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister von Weißwasser, Torsten Pötzsch, über dessen Beteiligungsprozesse geführt.
Bei der zweiten Lernreise wurde zunächst das Gelände der Rabryka in Görlitz besichtigt und über die Rolle von soziokulturellen Zentren in kommunalen Entwicklungsprozessen diskutiert. Im Anschluss fand ein Gespräch mit den Organisator*innen des Friedensfestes in Ostritz sowie mit Thomas Pilz von der Kulturfabrik MEDA in Mittelherwigsdorf statt. Hier standen vor allem der Austausch über das erfolgreiche Gestalten von Beteiligungsprozessen und die Bedeutung von konkreten Räumen und Prozessbegleiter*innen im Fokus.
Alle in diesem Projekt entwickelten und erprobten Lernformate wurden von den Kursteilnehmer*innen und den Referent*innen als sinnvoll und zielführend bewertet. Entsprechend sollte bei einer Verstetigung auch an diesem Mix aus einer allgemein einführenden Weiterbildung, den vertiefenden Vor-Ort-Beratungen sowie ergänzenden Formaten, wie den Lernreisen festgehalten werden.
Die große Mehrheit der Kursteilnehmer*innen wünschte sich zusätzlich zu den bisherigen Lernformaten und vertiefenden Kursmodulen vor allem kontinuierliche Vernetzungsangebote sowie eine kontinuierliche Ansprechpartner*in, die jederzeit beratend tätig werden kann. Entsprechend wird empfohlen, für die Kurs-Alumni zumindest eine feste Anlaufstelle zu schaffen, die beratend und vernetzend tätig werden kann. Denn nicht nur die direkten Lernformate, sondern auch die Vernetzungsaktivitäten während z.B. der Lernreise haben den Zugang zur Expertise der anderen Kursteilnehmer*innen ermöglicht.
Im Überblick
Stichworte: Strukturwandel Lausitz, nachhaltige Kommunalentwicklung, Prozessbegleitung, Moderation, Kommunikation, Vernetzung
Zielgruppe: Ortsvorsteher*innen, Mitarbeiter*innen aus Kreis- und Kommunalverwaltungen / LEADER-Geschäftsststellen, zivilgesellschaftliche Akteur*innen
Auftraggeber: Wirtschaftsregion Lausitz GmbH (Projektbüro Zukunftswerkstatt Lausitz)
Projektpartner: Kreisvolkshochschule Bautzen
Laufzeit: 04/2020 – 11/2020
Downloads: Abschlussbericht